Lieben unter Hennablüten - Musiktheater zu Spielarten der Leidenschaft

Die Idee

In den „Königsliedern Zwölf“ von Eckart Reinmuth (Text) und Karl Scharnweber (Musik) geht es um Liebe. Und es geht um eine Frau. Es geht um die Frau, die Salomo, den sagenumworbenen König, liebt. Erzählt wird die Geschichte ihrer Liebe mit Worten des Hohelieds im Alten Testament.
Unter dem Titel „Lieben unter Hennablüten“ wurden Szenen der „Königslieder Zwölf“ zur Darstellung gebracht – verbunden mit Worten des neutestamentlichen Hohelieds der (göttlichen) Liebe.
Wahrnehmbar wurden Facetten des Resonanzraums der Liebe, in dem Menschliches und Göttliches sich umspielen: Liebe brennt wie Feuer, sie glüht, sie fegt hindurch, sie ist schwer, sie legt sich wie ein Siegel um das Herz – und sie ist leicht, schwebend und duftend wie Hennablüten.
Um Sehen geht es in der Liebe und um Blindsein. Um Nacktsein und um Bekleidetwerden. Um Verzweiflung und Hoffnung. Um Verführung und Reiz. Um Weinen und Abschied. Um Ohnmacht und Macht. Laut und leise ist Liebe. Zum Schreien ist Liebe manchmal. Reine Lust oder Lustlosigkeit. Und manchmal zum Weinen und manchmal nur Luft oder Last. Halt gibt die Liebe im besten Fall. Dann kann man sich in sie hineinfallen lassen. Reißt das haltende Netz, dann fällt man hart, verletzt sich und wird auch verletzt. Spiegeln kann man sich in der Liebe. Liebe hinterlässt Narben.
Das Leben ist frei. Nicht zwingend hält es sich an Konventionen, die von Menschen gemacht sind.
Und man fragt sich, wo und wann das Leben die Konventionen durchbrach und einem den Zuschlag gab. Man denkt an Lebens-und Liebeskämpfe, in denen es wohl um irgendwie Alles ging. Und man weiß, dass man danach ein anderer war. Und eine unbändige Sehnsucht bricht auf, sich fallen zu lassen und zu spüren, wie man gehalten wird und unglaublich geliebt.
Sie schaute in den Spiegel. „Nur der gewollte und genaue Blick klärt das Glas.“ Diesen Satz hatte sie kürzlich gehört und sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Sie legte die Worte fein säuberlich in die Schale, die unter dem Spiegel auf einer kleinen Konsole stand. Sie legte sie zu den Worten, die bereits darin lagen: „Nur der liebende und achtsame Blick lässt das Glas licht werden.“ Die Buchstaben rutschten in der Schale durcheinander, so wie die Sätze in ihrem Kopf sich über- und ineinanderschoben.
Sie schaute in den Spiegel. Schaute sie eigentlich oder ließ sie sich anschauen?
Schauen Sie jetzt einfach mal in den Spiegel.
 
© Petra Schulz

Anlass

Programmbeitrag zum 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München, außerdem aufgeführt im Rahmen des Kunstprojekts Sacra in der Universitätskirche Rostock.

Die Akteure

In Kooperation mit: Studierenden der Hochschule für Musik und Theater sowie Prof. Hartmut Möller
Akteure: Benjamin Breutel, Luise Gürges, Nina Koischwitz, Diana Lunkwitz, Romina Töpfer, Rebekka Willing, Malte Lüskow, Inga Millon
Musikalische Leitung: Maximilian Piotraschke
Band: Jonathan Boudevin (Percussion), Hartmut Möller (Cello), Maximilian Piotraschke (Klavier), Stephan Wegnerm(Gitarre), Konstantin Siegmeyer (Bass)
Chor: Katharina Freimann (Sopran), Christian Hampel (Bass), Matthias Krüger (Tenor), Ulrike Page (Alt), Lea Peters (Sopran), Carolin Sommer (Alt) Anna Staak (Sopran), Markus Stiefs (Bass), Philipp Wöller (Tenor)
Skript Performance: Benjamin Breutel, Luise Gürges, Nina Koischwitz, Diana Lunkwitz, Petra Schulz, Romina Töpfer, Rebekka Willing
Technik: Gernot Knönagel, Kevin Nitschke, Cornelius Wergin
Leitung: Dr. Petra Schulz